[Rezension] Wo der Sturm uns findet - based on Rene´s Story - Ali Kassemyar

Wo der Sturm uns findet – based on Rene´s Story von Ali Kassemyar

Mittlerweile muss ich vermutlich gar nicht mehr erwähnen, wie sehr ich das Konzept des Heartlines-Verlags mag. 🤭🤍 Geschichten zu lesen, die von echten Erlebnissen und Menschen inspiriert wurden, finde ich einfach unglaublich spannend – vor allem, weil dadurch Themen und Lebenswege sichtbar werden, mit denen man selbst vielleicht noch nie in Berührung gekommen ist.

Mit Wo der Sturm uns findet von Ali Kassemyar durfte ich dieses Mal in eine Geschichte eintauchen, die auf Renés Erlebnissen basiert. Im Mittelpunkt stehen ein Neuanfang nach einer schwierigen Vergangenheit, der Kampf gegen alte Muster und die Frage, ob man irgendwann wirklich hinter sich lassen kann, wer man einmal gewesen ist. Dazu kommt eine Liebesgeschichte, die Finn völlig unerwartet eine neue Perspektive eröffnet. Ich war deshalb sehr gespannt darauf, wie Ali Kassemyar diese sensiblen Themen mit der Romance verbinden würde – und dass mich dabei ausgerechnet ein eher kleiner Aspekt der Geschichte ganz persönlich treffen würde, hatte ich überhaupt nicht erwartet. 🥹🤍 Bevor ich euch mehr davon erzähle, kommt hier aber erst einmal der Klappentext. 📚

Wo der Sturm uns findet von Ali Kassemyar

Klappentext

Nach einem Entzug und einer Haftstrafe wegen Drogenhandels will Finn seine kriminelle Vorgeschichte endgültig hinter sich lassen und sein Leben in neue Bahnen lenken. Und tatsächlich hat er endlich einmal Glück: In Hamburg begegnet er der erfolgreichen Schriftstellerin Lena, die mehr in ihm sieht und ihm einen Job als ihr Assistent anbietet. Die gemeinsame Arbeit schweißt die beiden immer enger zusammen, sodass es nicht lange dauert, bis sich Gefühle zwischen ihnen entwickeln. Doch um seinen Neuanfang mit Lena nicht aufs Spiel zu setzen, hält Finn seine dunkle Vergangenheit unter Verschluss. Er verrät ihr nicht, dass alte Geschäftspartner ihn bedrängen und er gegen die andauernde Versuchung ankämpft, in seine selbstzerstörerischen Muster zurückzufallen. Als ihn dann ein ehemaliger Auftraggeber unter Druck setzt, einen allerletzten Deal abzuwickeln, bringen seine Geheimnisse nicht nur die Beziehung zu Lena, sondern auch Finns Chance auf einen Ausstieg aus dem Milieu in Gefahr …

Zwischen alten Dämonen, zweiten Chancen und einer Liebe, die Hoffnung schenkt 🤍🌧️📚

Ich habe inzwischen schon mehrfach erzählt, wie sehr ich das Konzept des Heartlines-Verlags mag. Geschichten zu lesen, die von echten Erlebnissen inspiriert sind und Menschen eine Stimme geben, deren Erfahrungen sonst vielleicht nicht so häufig erzählt werden, finde ich unglaublich spannend. Mit Wo der Sturm uns findet von Ali Kassemyar durfte ich nun in eine Geschichte eintauchen, die auf Renés Erlebnissen basiert – und dieses Mal hat mich ein Teil davon noch einmal auf einer ganz persönlichen Ebene getroffen. 🤍

Repräsentation in Büchern finde ich grundsätzlich wichtig, aber bisher hatte ich nur selten das Gefühl, mich selbst beziehungsweise meine eigene Lebensrealität darin wiederzufinden. Hier war das plötzlich anders: In der Geschichte kommt ein Geschwisterkind mit Downsyndrom vor. Es ist eigentlich nur ein kleiner Teil des Buches, aber für mich war dieser Moment unglaublich groß. Ich hatte so etwas zuvor noch nie in einem Roman gelesen und musste tatsächlich weinen, weil es mich unerwartet tief berührt hat. Allein dafür hat dieses Buch einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. 🥹🤍

Im Mittelpunkt steht allerdings Finn und sein Versuch, nach seiner kriminellen Vergangenheit und seiner Drogensucht noch einmal ganz von vorne anzufangen. Und genau dieser Kampf hat mich unglaublich mitgenommen. Man spürt, wie sehr er sein altes Leben hinter sich lassen möchte und gleichzeitig, wie schwer es ist, sich wirklich daraus zu befreien. Seine Vergangenheit verschwindet eben nicht einfach, nur weil er beschlossen hat, einen anderen Weg einzuschlagen.

Finn hat mich dadurch sehr schnell für sich eingenommen. Seine Gedanken, Ängste und inneren Kämpfe fühlten sich für mich unglaublich greifbar an. Immer wieder steht er zwischen dem Menschen, der er einmal war, und dem Menschen, der er gerne sein möchte. Gerade das Wissen, dass die Geschichte von realen Erlebnissen inspiriert wurde, hat viele dieser Momente für mich noch intensiver gemacht.

Umso mehr mochte ich Lena. 🤍 Sie ist Autorin und durch sie bekommt man nebenbei auch einige Einblicke in die Ängste, Unsicherheiten und Sorgen, die mit diesem Beruf einhergehen können. Vor allem aber mochte ich ihre Art im Umgang mit Finn und die Dynamik, die sich zwischen den beiden entwickelt.

Ihre Beziehung hat sich für mich erstaunlich erwachsen und authentisch angefühlt. Besonders schön fand ich, dass Finns Vergangenheit zwar einen großen und schweren Teil der Geschichte einnimmt, aber nicht für künstliches Beziehungsdrama benutzt wird. Natürlich gibt es Geheimnisse, Ängste und Probleme, doch ich hatte nie das Gefühl, dass die Geschichte unbedingt irgendeine unnötige Miscommunication zwischen die beiden werfen muss. Stattdessen wirken Finn und Lena miteinander stark und geben sich gegenseitig Halt.

Auch die romantischen und intimeren Szenen haben für mich sehr gut dazu gepasst. Der Spice bleibt eher im Hintergrund und fühlte sich dadurch für mich angenehm natürlich an. Und ganz nebenbei hat dieses Buch es geschafft, dass ich jetzt noch ein bisschen dringender einen Ausflug in ein einsames Tiny House machen möchte. 😂🤍

Was mir außerdem besonders gefallen hat, ist die männliche Perspektive auf die sensiblen Themen der Geschichte. Gerade innere Kämpfe, Sucht, Schuld, Rückfälle und die Schwierigkeit, sich nach einer kriminellen Vergangenheit wieder ein neues Leben aufzubauen, werden hier aus Finns Sicht erzählt. Das fand ich innerhalb des Heartlines-Konzepts sehr spannend und davon würde ich tatsächlich gerne noch mehr lesen.

Trotz der emotionalen Themen entwickelt die Geschichte gleichzeitig eine Spannung, die ich anfangs gar nicht in diesem Ausmaß erwartet hatte. Finns Vergangenheit schwebt permanent über ihm und ich hatte beim Lesen ständig dieses ungute Gefühl: Irgendwann wird sie ihn einholen. Dadurch wollte ich unbedingt wissen, ob er es wirklich schafft, sich endgültig daraus zu lösen.

Und dann kam tatsächlich noch eine Wendung, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte. 👀 Spätestens da konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Ali Kassemyars Schreibstil hat mir dabei sehr gut gefallen. Die Geschichte liest sich angenehm und mitreißend, gleichzeitig bekommen die schweren und emotionalen Momente genügend Raum. Gerade Finns Gefühle wirkten auf mich sehr nahbar, ohne dass die Geschichte dadurch übertrieben dramatisch oder kitschig wurde.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich allerdings beim Ende. Nach allem, was vorher aufgebaut wurde, ging mir eine bestimmte Entwicklung etwas zu schnell. Gerade aus Finns Perspektive hätte ich mir an dieser Stelle noch mehr Raum und eine ausführlichere emotionale Auseinandersetzung gewünscht. Nach all den intensiven Momenten davor hätte dieser Teil für mich ruhig noch etwas länger nachwirken dürfen.

Besonders bewegt hat mich dafür noch einmal das Nachwort. Zu wissen, dass hinter dieser Geschichte nicht einfach nur eine fiktive Idee steckt, sondern reale Erfahrungen und Gefühle, hat vieles für mich noch einmal in ein anderes Licht gerückt. Einige Szenen bekommen dadurch rückblickend noch mehr Gewicht.

Für mich ist Wo der Sturm uns findet deshalb eine Geschichte über zweite Chancen, aber auch darüber, wie schwer es sein kann, sie wirklich zu ergreifen. Über alte Muster, Schuld und Versuchungen, aber ebenso über Hoffnung, Vertrauen und einen Menschen, der mehr in einem sieht als die eigene Vergangenheit. 🤍

Mich hat das Buch nicht nur emotional überrascht, sondern durch die für mich sehr persönliche Form der Repräsentation auch auf eine Weise berührt, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Gerade dieser kleine Teil der Geschichte wird mir vermutlich besonders lange im Gedächtnis bleiben. Und an Heartlines: Die männliche Perspektive auf solch sensible und schwere Themen fand ich unglaublich spannend – davon sehr gerne mehr. 🤍📚

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