[Rezension] Die Hüterin der verlorenen Schätze - Elisabeth Büchle

Die Hüterin der verlorenen Schätze

von Elisabeth Büchle

Manche historischen Romane erzählen nicht nur von vergangenen Zeiten, sondern öffnen einem die Augen für Geschichten, von denen man vorher kaum etwas wusste. Genau das liebe ich an diesem Genre – und ganz besonders an den Büchern von Elisabeth Büchle.

Mit Die Hüterin der verlorenen Schätze nimmt sie uns erneut mit in die Zeit des Zweiten Weltkriegs und verbindet Vergangenheit und Gegenwart mit einem historischen Thema, über das ich bisher tatsächlich nur wenig wusste. Da ich bereits einige ihrer Bücher gelesen und sehr gemocht habe, war meine Vorfreude entsprechend groß. Ob mich auch Trixies und Emilias Geschichte wieder so berühren konnte, erzähle ich euch nach dem Klappentext. 🤍📚

Klappentext

Trixie Erlemann soll im Jahr 1944 eigentlich nur britische Agenten sprachlich auf ihren Einsatz in Deutschland vorbereiten, doch plötzlich führt sie eine geheime Mission tief ins Herz des Dritten Reichs. Gemeinsam mit einer Gruppe mutiger Frauen soll sie in Bayern wertvolle Kunstwerke vor der Zerstörung retten. Doch Trixie hütet ein gefährliches Geheimnis – eines, das sie alles kosten könnte …

2019: Nach dem Tod ihres Urgroßvaters stößt Emilia Seidel auf rätselhafte Hinweise, die ihre Familiengeschichte in ein neues Licht rücken. Was hat ihr Vorfahre im Krieg wirklich getan? Und was ist mit dem verschwundenen Schmuck geschehen, der einst einer jüdischen Familie gehörte?

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart entfaltet sich eine Geschichte über Mut und Verrat, über Hoffnung und Menschlichkeit – und über zwei Frauen, die lernen, für das einzustehen, woran sie glauben.

Zwischen verlorenen Schätzen, bewegender Geschichte und ganz viel Hoffnung 🤍📚

Elisabeth Büchle gehört inzwischen zu den Autorinnen, von denen ich schon einige Bücher gelesen und euch auch vorgestellt habe – und deren Geschichten ich einfach unglaublich gerne mag. Umso mehr habe ich mich auf Die Hüterin der verlorenen Schätze gefreut.

Wieder führt uns die Autorin in die Zeit des Nationalsozialismus, doch dieses Mal widmet sie sich einem Thema, mit dem ich mich bisher kaum beschäftigt hatte: dem Schutz und der Rettung von Kunst- und Kulturgütern während des Zweiten Weltkriegs. Ich liebe es, wenn ich durch Bücher nicht nur in eine Geschichte eintauchen, sondern gleichzeitig etwas Neues lernen und ein Stück Geschichte entdecken kann. Genau das ist Elisabeth Büchle hier wieder gelungen.

Erzählt wird auf zwei Zeitebenen, was ich persönlich sowieso sehr gerne mag. Obwohl dabei einige Figuren zusammenkommen, hatte ich zu keinem Zeitpunkt Schwierigkeiten, den Überblick zu behalten. Im Gegenteil: Ich fand sowohl Trixies Geschichte während des Zweiten Weltkriegs als auch Emilias Spurensuche in der Gegenwart so spannend, dass ich bei jedem Wechsel eigentlich am liebsten auf beiden Ebenen gleichzeitig weitergelesen hätte.

Besonders Trixies Geschichte hat mich emotional sehr mitgenommen. Die politische Situation gegen Ende des Krieges, die ständige Gefahr und die Entscheidungen, die sie treffen muss, haben mich teilweise regelrecht den Atem anhalten lassen. Gleichzeitig gab es aber auch diese kleinen, warmen Momente, bei denen ich lächeln musste. Und ja – ein paar Tränen sind ebenfalls geflossen.

Auch Emilias Geschichte mochte ich sehr, gerade weil sie zeigt, wie lange die Vergangenheit nachwirken kann. Die Fragen rund um ihre eigene Familie, Schuld und Verantwortung haben mich immer wieder zum Nachdenken gebracht. Besonders spannend fand ich dabei, wie nach und nach Verbindungen zwischen den beiden Zeitebenen sichtbar werden und sich einzelne Puzzleteile zusammensetzen.

Ein kleines Highlight waren für mich außerdem die Begegnungen mit Figuren, die ich bereits aus anderen Büchern von Elisabeth Büchle kannte. Ich freue mich bei so etwas immer unglaublich, weil es sich ein bisschen anfühlt, als dürfte man alte Bekannte noch einmal kurz besuchen und erfahren, wie ihr Leben nach ihrer eigenen Geschichte weitergegangen ist.

Überhaupt sind mir die Charaktere sehr schnell ans Herz gewachsen. Sie fühlen sich menschlich an, haben ihre eigenen Ängste und Verletzungen und entwickeln sich im Laufe der Geschichte spürbar weiter. Auch die leisen Liebesgeschichten haben für mich wunderbar hineingepasst, weil sie nie die eigentliche Handlung überlagern, sondern ihr zusätzliche Wärme schenken.

Was ich an Elisabeth Büchles Büchern besonders schätze, ist die Verbindung von historischen Fakten und Fiktion. Man merkt beim Lesen, wie viel Recherche hinter der Geschichte steckt, trotzdem hatte ich nie das Gefühl, ein Geschichtsbuch zu lesen. Stattdessen war alles so bildhaft erzählt, dass in meinem Kopf teilweise ein richtiger Film entstanden ist.

Auch der Glaube findet wieder ganz selbstverständlich seinen Platz. Er drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern begleitet die Figuren durch ihre Ängste, Verluste und Entscheidungen und bringt Hoffnung in eine Geschichte, die sich mit einer sehr dunklen Zeit beschäftigt. Gerade diese Balance hat mir wieder sehr gefallen.

Zum Ende hin konnte mich die Autorin dann sogar noch mit einigen Wendungen überraschen. Nach und nach fügte sich alles zusammen und ich habe die letzten Seiten mit ganz unterschiedlichen Gefühlen gelesen: angespannt, berührt, nachdenklich – und schließlich einfach nur glücklich darüber, diese Geschichte gelesen zu haben.

Was soll ich sagen? Die Hüterin der verlorenen Schätze hat mich gefesselt, mir Neues beigebracht, mich zum Nachdenken gebracht und emotional vollkommen erreicht. Für mich ein echtes Herzensbuch und Lesehighlight – und deshalb eine ganz klare Leseempfehlung! 🤍📚

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