Unter Heiden: Warum ich trotzdem Christ bleibe
Tobias Haberl
Manchmal kommen Buch und Gelegenheit einfach genau richtig zusammen. 🤍📚 Lesungen finden bei mir in der Kleinstadt leider eher selten statt – und umso überraschter war ich, als ausgerechnet Tobias Haberl hier zu Gast war. Noch neugieriger wurde ich, als ich gesehen habe, worüber er schreibt: über den christlichen Glauben in einer Zeit, in der dieser für viele Menschen längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Ein Thema, das mich nicht nur interessiert, sondern als Christin auch ganz persönlich betrifft.
In Unter Heiden: Warum ich trotzdem Christ bleibe beschäftigt sich Tobias Haberl mit der Frage, warum er auch heute noch glaubt und sich trotz aller Kritik weiterhin zur katholischen Kirche bekennt. Da ich selbst Protestantin bin, war ich besonders gespannt auf seine katholische Perspektive und darauf, an welchen Stellen ich mich in seinen Gedanken wiederfinden würde – und wo unsere Sichtweisen vielleicht auseinandergehen. Vor allem aber wollte ich wissen, welche Antworten er auf eine Frage findet, die vermutlich jeder gläubige Mensch auf seine eigene Weise beantworten muss: Warum glaube ich eigentlich? Bevor ich euch erzähle, welche Gedanken das Buch bei mir ausgelöst hat, kommt hier aber erst einmal der Klappentext. 🤍📚
Zwischen Zweifel, Kirche und der ganz persönlichen Frage nach dem Glauben 🤍⛪📚
Lesungen finden bei mir in der Kleinstadt leider eher selten statt. Umso überraschter war ich, als ich gesehen habe, dass Tobias Haberl tatsächlich hier zu Gast sein würde – und dann auch noch mit einem Buch über ein Thema, das mich nicht nur interessiert, sondern selbst ein Teil meiner Identität ist. 🤍📚 Als Christin war für mich deshalb ziemlich schnell klar, dass ich Unter Heiden lesen möchte.
Gleichzeitig musste ich beim Lesen mehrmals über mich selbst schmunzeln, denn aus irgendeinem Grund hat es mich immer wieder kurz irritiert, dass Tobias Haberl Katholik ist. 😂 Eigentlich vollkommen absurd, denn natürlich ist daran überhaupt nichts ungewöhnlich. Da ich selbst allerdings aus dem Protestantismus komme, war seine Perspektive für mich teilweise eine andere als die, die ich aus meinem eigenen Glaubensleben kenne. Gerade deshalb fand ich es spannend, Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zwischen katholischem und evangelischem Glauben wahrzunehmen.
Besonders interessant fand ich Haberls sehr persönliche Auseinandersetzung mit der Frage, wie es sich heute eigentlich anfühlt, offen gläubig zu sein. Er beschreibt sich selbst keineswegs als perfekten Christen, sondern vielmehr als jemanden, der seinen Glauben mitten im ganz normalen Alltag lebt – mit Fragen, Zweifeln und Widersprüchen. Gerade diese Haltung hat das Buch für mich angenehm nahbar gemacht.
Denn obwohl Religion für viele Menschen selbstverständlich zum Leben gehört, scheint es in bestimmten gesellschaftlichen Kreisen inzwischen fast ungewöhnlicher zu sein, an Gott zu glauben, als nicht an ihn zu glauben. Haberl erzählt davon, wie er dadurch in seinem beruflichen und privaten Umfeld teilweise zum Exoten wird und immer wieder erklären muss, warum er überhaupt noch glaubt und weshalb er trotz allem weiterhin Teil der katholischen Kirche ist.
Dabei verschließt er keineswegs die Augen vor den Problemen der Kirche. Gerade den Missbrauchsskandal und dessen Aufarbeitung betrachtet er kritisch. Gleichzeitig wehrt er sich aber dagegen, den christlichen Glauben ausschließlich auf Missbrauch, fehlende Gleichberechtigung oder eine vermeintlich rückständige Institution zu reduzieren.
Diesen Gedanken konnte ich gut nachvollziehen. Kritik an kirchlichen Strukturen ist wichtig und notwendig – und trotzdem ist Kirche nicht automatisch gleichbedeutend mit persönlichem Glauben. Für mich liegt darin ein entscheidender Unterschied. Mein Glaube besteht schließlich nicht nur aus einer Institution und ihren Entscheidungen, sondern aus etwas sehr Persönlichem.
Genau deshalb mochte ich, dass Haberl nicht nur fragt, was sich an der Kirche verändern müsste, damit sie wieder besser in unsere heutige Gesellschaft passt. Stattdessen dreht er die Perspektive immer wieder um und beschäftigt sich damit, ob vielleicht auch unsere moderne Gesellschaft etwas vom Glauben lernen kann.
Was gibt uns Halt, wenn vieles unsicher erscheint? Woher nehmen wir Hoffnung? Welche Bedeutung haben Gemeinschaft, Gebet oder Spiritualität in einer Welt, die immer schneller und digitaler wird? Solche Fragen fand ich wesentlich interessanter als eine reine Verteidigung der katholischen Kirche.
Dabei hatte ich auch nicht das Gefühl, ein Buch zu lesen, das mir vorschreiben möchte, wie ein „richtiger“ Christ zu leben oder zu glauben hat. Haberl schreibt aus seiner ganz persönlichen Perspektive und genau das hat für mich gut funktioniert. Man muss seine Gedanken nicht an jeder Stelle teilen, um sich mit ihnen auseinandersetzen zu können.
Natürlich gab es Punkte, bei denen meine eigene protestantische Prägung deutlich wurde und ich manche Dinge anders sehe oder empfinde. Aber gerade diese Unterschiede fand ich bereichernd. Das Buch hat mich immer wieder dazu gebracht, über meinen eigenen Glauben nachzudenken: Warum glaube ich eigentlich? Was bedeutet Christsein für mich persönlich? Und welche Rolle spielen Kirche und Gemeinde dabei?
Ich fand es außerdem angenehm, dass Haberl den Glauben weder romantisiert noch ausschließlich problematisiert. Er zeigt vielmehr, warum er selbst trotz aller berechtigten Kritik Christ bleibt und was ihm sein Glaube gibt: Hoffnung, Orientierung, Trost und einen anderen Blick auf das Leben.
Für mich war Unter Heiden deshalb vor allem ein Buch, das zum Nachdenken und Hinterfragen eingeladen hat. Ich musste nicht jede Ansicht von Tobias Haberl teilen, um seine Gedanken spannend zu finden. Gerade seine katholische Perspektive hat mir als Protestantin teilweise einen Blick auf christlichen Glauben eröffnet, der sich von meinem eigenen unterscheidet – und genau das empfand ich als Bereicherung. 🤍
Am meisten nehme ich aus dem Buch wohl die Frage mit, was Glaube in unserer heutigen Zeit eigentlich bedeuten kann. Nicht nur für Kirche als Institution, sondern für jeden Menschen ganz persönlich. Und vielleicht ist genau das der Punkt, der mich an diesem Buch besonders angesprochen hat: Es versucht nicht, einen perfekten Christen zu präsentieren, sondern erzählt davon, warum ein Mensch trotz Fragen, Kritik und einer alles andere als perfekten Kirche weiterhin glaubt. 🤍📚
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