Heartbeats on the Run – based on Rike´s True Story
von Jennifer Wiley
Manche Geschichten berühren noch einmal auf eine ganz andere Weise, wenn man weiß, dass hinter ihnen ein echtes Schicksal steckt. Genau das fasziniert mich an den Büchern aus dem Heartlines-Verlag: Die Erlebnisse der Storygeber:innen werden in fiktive Romane verwandelt und bekommen so eine ganz besondere Stimme. Einige dieser Geschichten habe ich bereits gelesen und umso gespannter war ich auf Heartbeats on the Run, das gleichzeitig mein erstes Buch von Jennifer Wiley war.
Dieses Mal geht es um Maya, die in Köln eigentlich einen Neuanfang wagen möchte und im Sport ein Ventil für all das findet, was sie aus ihrer Vergangenheit mit sich trägt. Doch aus etwas, das ihr zunächst guttut, entwickelt sich schleichend etwas, das immer mehr die Kontrolle über ihr Leben übernimmt. Dass hinter Mayas Geschichte die wahren Erlebnisse von Rike stehen, hat mich schon vor dem Lesen besonders beschäftigt. Wie mich ihre Geschichte letztendlich berührt hat, erzähle ich euch nach dem Klappentext. 🤍📚
Zwischen Davonlaufen, Kontrollverlust und dem Mut, Hilfe anzunehmen ❤️📚
Ich liebe die Bücher aus dem Heartlines-Verlag und vor allem die besondere Idee dahinter: Wahre Erlebnisse von Storygeber:innen werden in fiktive Romane verwandelt und bekommen dadurch eine ganz eigene Stimme. Einige dieser Geschichten habe ich inzwischen schon gelesen – und ein paar warten auch noch auf meinem SuB. 🤭 Gerade das Wissen, dass hinter den Figuren und ihren Erlebnissen ein echter Mensch und eine wahre Geschichte stehen, lässt mich diese Bücher immer noch einmal anders lesen.
Heartbeats on the Run hat mich dabei gleichzeitig fasziniert und ziemlich bedrückt. Mayas Geschichte zeigt auf eindrückliche Weise, wie schleichend sich eine Sucht entwickeln kann und wie schwer es für die betroffene Person selbst sein kann, überhaupt zu erkennen, dass längst eine Grenze überschritten wurde.
Maya war mir von Anfang an unglaublich sympathisch. Sie hat in ihrem jungen Leben bereits einiges durchmachen müssen und versucht mit ihrem Umzug nach Köln endlich Abstand von ihrer schwierigen familiären Situation zu gewinnen. Ich war richtig froh darüber, dass sie dort neue Freundschaften schließen, studieren und sich langsam ein eigenes Leben aufbauen kann.
Und dann ist da der Sport. Anfangs konnte ich Mayas Gedanken sogar ziemlich gut nachvollziehen. Bewegung als Ventil für Sorgen, Ängste und all das, was sich innerlich angestaut hat? Da dachte ich zunächst noch: Eigentlich ist es doch gut, dass sie einen Weg gefunden hat, damit umzugehen. Doch genau darin liegt für mich eine der Stärken der Geschichte. Die Grenze zwischen etwas, das einem zunächst guttut, und einem Verhalten, das irgendwann die Kontrolle übernimmt, verschwimmt immer mehr.
Zu beobachten, wie Maya zunehmend über ihre körperlichen Grenzen geht und der Sport immer mehr Raum in ihrem Leben einnimmt, fand ich teilweise wirklich schwer auszuhalten. Gerade weil sie selbst lange nicht erkennt, wie ernst ihre Situation bereits geworden ist. Es gab einige Momente, in denen ich sie am liebsten gepackt und ihr zugerufen hätte, dass sie doch bitte auf die Menschen hören soll, die sich Sorgen um sie machen. Gleichzeitig wollte ich sie einfach nur in den Arm nehmen. ❤️
Besonders Linus und Mayas WG-Freundinnen sind mir deshalb sehr ans Herz gewachsen. Sie müssen mitansehen, wie sich ein Mensch, den sie lieben, immer weiter von ihnen entfernt, und können letztendlich doch nur begrenzt helfen, solange Maya selbst nicht bereit ist, ihre Situation zu erkennen. Ich habe mit ihnen mitgelitten und war gleichzeitig froh darüber, dass sie nicht einfach weggeschaut haben.
Dass hinter Mayas Geschichte die wahre Geschichte von Rike steckt, hat das Ganze für mich noch einmal emotionaler gemacht. Immer wieder hatte ich beim Lesen im Hinterkopf, dass das, was hier in einem Roman erzählt wird, seinen Ursprung im echten Leben eines Menschen hat. Dadurch haben mich viele Situationen noch stärker berührt und nachdenklich gemacht.
Heartbeats on the Run war gleichzeitig mein erstes Buch von Jennifer Wiley und ihr Schreibstil hat mir richtig gut gefallen. Sie schreibt sehr flüssig, leicht verständlich und angenehm zu lesen, ohne dass die Schwere des Themas dabei verloren geht. Gerade diese Verbindung aus einem lockeren Schreibstil und einer so ernsten, tiefgründigen Geschichte hat für mich sehr gut funktioniert.
Auch die Charaktere mochte ich unglaublich gerne. Sie wirkten auf mich authentisch und menschlich und gerade Mayas Entwicklung konnte ich emotional sehr gut nachvollziehen. Dazu kamen das Kölner Setting, die Freundschaften und die leisen romantischen Momente mit Linus, die der Geschichte zwischendurch ein wenig Wärme gegeben haben.
Was mir nach dem Lesen besonders im Kopf geblieben ist, ist die Erkenntnis, dass eine Sucht eben nicht immer so aussieht, wie man sie vielleicht zunächst erwartet. Etwas, das gesellschaftlich eigentlich als gesund und positiv angesehen wird, kann ebenfalls zu etwas werden, das das gesamte Leben bestimmt.
Heartbeats on the Run ist mir deshalb sehr ans Herz gegangen. Mayas – beziehungsweise Rikes – Geschichte hat mich berührt, teilweise bedrückt und vor allem nachdenklich zurückgelassen. Eine sehr einfühlsam erzählte Geschichte über Ängste, Sucht und den schwierigen Weg, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht. ❤️📚
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